Wasserkreisläufe – neu gedacht

14. Niedersächsisches Grundwasserkolloquium und 6. Internationales Symposium RE-WATER Braunschweig // RE-WATER Braunschweig Award zum dritten Mal verliehen

Nachhaltige Konzepte für eine effiziente (Wieder-)Verwertung der lebenswichtigen Ressource Wasser werden immer notwendiger, nicht zuletzt durch Faktoren wie den Klimawandel und die wachsende Weltbevölkerung. Rund um Grundwasser, Abwasser und Wiederverwertung drehten sich daher das 14. Niedersächsische Grundwasserkolloquium und das 6. Internationale Symposium RE-WATER Braunschweig. Die Braunschweiger Veranstaltungen mit internationaler Strahlkraft fanden in diesem Jahr unter dem Titel „Wasserkreisläufe neu denken“ am 20. und 21. Februar 2019 statt – erstmals gemeinsam. Das Niedersächsische Grundwasserkolloquium feiert zudem in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum.

Experten aus aller Welt folgten der Einladung von Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS), einem Unternehmen des internationalen Umweltdienstleisters Veolia; Norddeutschem Wasserzentrum e.V. (NWZ), TU Braunschweig sowie Abwasserverband Braunschweig und diskutierten aktuelle Fragestellungen des Themenkomplexes. „Wir freuen uns, dass wir auch dieses Mal wieder Referenten präsentieren konnten, die einen fachübergreifenden und angewandten Ansatz zum Thema Wasser verfolgen“, meint Dr. Jens Führböter, Vorstandsmitglied des NWZ. „Insofern hat sich die thematisch enge Verknüpfung beider Formate in diesem Jahr sehr gut zu unserem gemeinsamen Motto zusammengefügt.“

Unter der Moderation von Fernsehredakteur und Naturwissenschaftler Ingolf Bauer diskutierten die rund 130 Teilnehmer bei mehr als 20 Vorträgen unter anderem, welche neuen Herausforderungen auf die Wasserwirtschaft zukommen – etwa durch Wetterextreme und neue politische Regelungen. Ebenfalls ein großes Thema: Umweltschutz. Agrarwissenschaftler Dr. Knut Ehlers, Umweltbundesamt, führte aus, wie landwirtschaftliche Produktion und Umweltschutz künftig in Einklang gebracht werden können, Prof. Christoph Schäfers, Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME), thematisierte die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Lebensgemeinschaften im Grundwasser. Ausklingen ließ den ersten Veranstaltungsteil der Philosoph und frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, der mit seinem Vortrag „Verantwortung für den Planeten“ einen philosophischen Blick auf den Themenkomplex warf.

Der zweite Tag stand im Zeichen der nachhaltigen Wasserwiederverwendung. Unter anderem widmete sich Dr. Engelbert Schramm vom Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt a. M. der Qualitätssicherung bei der landwirtschaftlichen Nutzung gereinigter Abwässer in hydroponischen Systemen. Die Abwasserverregnung im Spannungsfeld Pflanze – Boden – Grundwasser stand im Fokus des Vortrags von Dr. Sabine Heumann, Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie. Dass eine ressourceneffiziente Wassernutzung auch und vor allem international hoch relevant ist, unterstrich Prof. Susanne Lackner, Fachgebiet Abwasserwirtschaft der TU Darmstadt: Sie stellte ein Projekt vor, bei dem Abwasser-Ponds zur Erzeugung von Bewässerungswasser in Namibia eingesetzt werden.

Prof. Thomas Dockhorn vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft der TU Braunschweig freute sich über die erfolgreiche Veranstaltung: „Auch in diesem Jahr ist es uns gelungen, hochkarätige Referenten aus Wissenschaft, Politik und Industrie zu gewinnen. Die spannenden Vorträge haben gezeigt, wie vielfältig das Themengebiet und wie wichtig und produktiv der Austausch ist.“

SE|BS-Geschäftsführer Andreas Hartmann fasste zusammen: „Uns und unseren Partnern ist es ein Anliegen, uns für die Weiterentwicklung des Braunschweiger Abwasserrecyclings zu engagieren und international die Forschung auf dem Gebiet voranzutreiben. Das Symposium ermöglicht einen wertvollen Erfahrungsaustausch auf hohem wissenschaftlichem Niveau. Der Standort Braunschweig ist aufgrund seiner über 100-jährigen Expertise dafür prädestiniert – darauf sind wir stolz.“

„Besonders in den trockenen Zonen der Erde ist es notwendig, das vorhandene Wasser mehrfach zu nutzen, so wie wir dies in Braunschweig schon seit mehr als 60 Jahren tun“, ergänzte Bernhard Teiser, Geschäftsführer des Abwasserverbands Braunschweig. „Daher ist es dem Abwasserverband eine Herzensangelegenheit, diese Veranstaltungsreihe zu unterstützen.“

Abschluss und Highlight des Fachsymposiums war die Verleihung des dritten „RE-WATER Braunschweig Awards“. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis würdigt beispielhafte Beiträge zur Förderung der Wasserwiederverwertung. Der Preis 2019 geht an ein Forscherteam aus Wissenschaftlern der Uni Bonn (Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit / Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie) sowie einem Vertreter des Karlsruher Institut für Technologie KIT. Ausgezeichnet wurde die Gruppe für ihre Untersuchung zu „Relevanz und Kontrolle Antibiotika-resistenter Krankheitserreger in Abwässern“. Stellvertretend für das Forscher-Team nahm Ricarda M. Schmidthausen den Preis entgegen.

 


 

Hintergrund: Braunschweig als Forschungs-Hotspot und Recycling-Vorbild

Seit mittlerweile 30 Jahren ist Braunschweig fest auf der Landkarte verankert, wenn es um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit (Ab-)Wasser geht. So lange findet bereits das Niedersächsische Grundwasserkolloquium statt, seit zwölf Jahren befasst sich zudem das Symposium RE-WATER mit dem Themenkomplex der Wiederverwertung von Wasser und Abwasser.

Das regionale Know-how resultiert einerseits aus der jahrzehntelangen Kooperation zwischen Forschung und Praxis (u.a. SE|BS, TU Braunschweig, NWZ und Abwasserverband Braunschweig). Andererseits blickt Braunschweig auf eine einmalig lange Erfahrung in der konsequenten Wasserwiederverwendung zurück. Seit mehr als 100 Jahren wird hier Wasser wiederverwertet, die Funktionsweise der Wasserverwertung und Nährstoffnutzung hat international Modellcharakter: Nachdem das Abwasser bestmöglich gereinigt wurde, wird der größte Teil der Wassermenge landwirtschaftlich genutzt, auch die Nährstoffe – ein effizienter und ressourcenschonender Kreislauf. Der übrige Teil des Wassers dient der Bewässerung der ehemaligen Rieselfelder, die eine noch weitergehende Reinigung bewirken und als wertvoller Naturraum überregionale Bedeutung für seltene Tiere genießen.

Das Norddeutsche Wasserzentrum ist ein Netzwerk und Kompetenzzentrum, in dem die Organisatoren dieser Veranstaltung seit Jahren erfolgreich zusammenarbeiten. Mitglieder des Netzwerkes sind circa 120 Planer, Hersteller und Anlagenbetreiber aus der Wasserbranche – flankiert von Wissenschaft und Administration.

 


 

Übergabe des RE-WATER Braunschweig Awards 2019 (v.l.n.r.):
Andreas Hartmann (Geschäftsführer der Stadtentwässerung Braunschweig),
Professor Dr.-Ing. Norbert Ditchl (TU Braunschweig), Ricarda Schmidthausen
mit dem Zukunftspreis, Jens Führböter (1. stv. Vorsitzender Norddeutsches
Wasserzentrum NWZ) und Bernhard Teiser (Geschäftsführer Abwasserverband Braunschweig).
Bild: Stadtentwässerung Braunschweig GmbH / Florian Kleinschmidt

 

Der deutsche Philosoph und frühere Kulturstaatsminister
Julian Nida-Rümelin rundete den ersten Veranstaltungstag
mit seinem Vortrag „Verantwortung für den Planeten“ ab.
Bild: Stadtentwässerung Braunschweig GmbH / Peter Sierigk

 

Der RE-WATER Braunschweig Award: Ein stilisierter Wassertropfen.
Bild: Stadtentwässerung Braunschweig GmbH/ Florian Kleinschmidt

 


 

SE|BS
Stadtentwässerung
Braunschweig GmbH
Taubenstraße 7
38106 Braunschweig
Web: www.se-bs.de

SE|BS Pressestelle:
pr nord. neue kommunikation.
Telefon: 0531 701 01-14
Fax: 0531 701 01-51
E-Mail: m.bergmann@pr-nord.de